Vorwort zur Ausstellung der Schulleiterin Gisela Grimme

Am 12.06.2019 wäre Anne Frank 90 Jahre alt geworden.

Vor siebzig Jahren stirbt sie im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Sie ist jung, so jung wie viele unserer Schülerinnen und Schüler es heute sind. Und damit könnte es das gewesen sein: Ein junges, jüdisches Mädchen, das seine Gedanken einem Buch anvertraut, wird verraten und dann über das Sammel-Konzentrationslager Westerbork nach Auschwitz und schließlich nach Bergen-Belsen transportiert. Sie gilt bei den anderen Gefangenen als starke Persönlichkeit. Doch dem Hunger und den Krankheiten kann sie am Ende nichts mehr entgegensetzen. Die Freundin Hannah Goslar erzählt später, dass Anne am Ende aufgibt. Sie denkt, alle Familienmitglieder seien tot. Ihr Vater Otto jedoch überlebt. Er gibt ihr Tagebuch an die Welt weiter. Und so kommt es zu uns: Eine Replik wird in der Anne-Frank-Ausstellung liegen. Für uns heute sind die jungen Menschen, unsere Guides, ein wichtiger Baustein bei der Erinnerung an Anne Frank. Ihr Wissen über das Schicksal von Anne schreibt in den Herzen der Gäste ein neues Tagebuch. Es sind ihre Ideen über Freundschaft, Menschlichkeit, die Welt und über Gott, die sie weitergeben. Diese Ideen sind auch heute topaktuell: „… wenn ich zum Himmel schaue, denke ich, dass sich alles wieder zum Guten wenden wird, dass auch diese Härte aufhören wird, dass wieder Ruhe und Frieden in die Weltordnung kommen werden!“ (Tagebucheintrag vom 15. Juli 1944)

In diesem Sinne wünsche ich allen Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung „Deine Anne! Ein Mädchen schreibt Geschichte“ viele neue Erfahrungen, interessante Gespräche und ein Bewusstsein für Verantwortung in der Gegenwart.


Gisela Grimme, Schulleiterin der Elisabeth-Selbert-Schule