Auf den Spuren von Verfolgten in zweiten Weltkrieg

Schüler des Schiller Gymnasiums in Hameln nahmen an „Stolpersteinspaziergängen“ teil. Ein Bericht von Victoria Heidrich

Am 10.12.2019 machte sich eine achte Klasse des Schiller Gymnasiums in Hameln mit Herrn Gelderblom, dem Hamelner Historiker und Victoria Heidrich, Anne-Frank-Botschafterin des Anne-Frank-Zentrums in Berlin auf den Weg zu besonderen Orten in Hameln: den sogenannten Stolpersteinen. Die aus Messing gestalteten Pflastersteine tragen die Namen der von den Nazis verschleppten und getöteten Jüdinnen und Juden und sind jeweils vor deren Wohnhäusern eingepflastert.

Im Rahmen der Ausstellung „Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte“ begleitete Herr Gelderblom insgesamt zwei „Stolpersteinspaziergänge“. Er erzählte dabei von Familie Frankenstein in der Neuen Marktstraße, Familie Friedheim und Clup in der Neuen Marktstraße und Familie Keyser und Schenk in der Ritterstraße. Die Stolperstein von Familie Keyser und Schenk liegen vor dem heutigen Bekleidungsgeschäft Kolle in Hameln. Auch zur Zeit des zweiten Weltkrieges war es ein Textilgeschäft welches einem Herrn Keyser gehörte. Herr Keyser war Jude und durfte das Geschäft nicht weiter führen. Er hat es damals Herrn Kolle überschrieben dessen Namen das Geschäft auch heute noch trägt.

Einer der Stolpersteine hinterließ ein besonderen Eindruck bei den Jugendlichen. Ein Mädchen, dass grade mal 6 Jahre alt war wurde umgebracht. Der Vater des Kindes verliess die Mutter, da sie jüdischer Abstammung war. Der Vater meinte, eine Jüdin würde er nicht heiraten, sie solle doch selbst sehen, wie sie mit dem Kind klarkommt.

Im anschließenden Gespräch im Café Zeitgeist an der Deisterallee konnten die Jugendlichen bei Tee und Kuchen noch eigene Themen und Ideen mit Herrn Gelderblom diskutieren. In einer kurzen Abschlussrunde fielen Sätze wie „Das war richtig spannend und gar nicht so langweilig!“ oder „Der hat nicht nur erzählt sondern auch uns antworten und vorlesen lassen“. Es war ein gelungener Stolperstein-Spaziergang, der mit viel Applaus und Lob an die beiden Begleiter*innen zu Ende ging.

Dem Todfeind ins Auge blicken

Ein Bericht von Daniela Kravtschenko (Schülerin der Elisabeth Selbert Schule)

„Die Kugel ist für dich, Mo Asumang!“ schreit es aus den Lautsprechern im Studio in dem Mo als Moderatorin arbeitete. Eine gesungene Morddrohung, die eine wichtige Reise ins Rollen bringen würde.

Zu Beginn dieser Woche beehrte uns die erste afrodeutsche TV-Moderatorin gleich zweimal mit ihrem Besuch – morgens in der Aula der Thibautstraße und abends in der „Sumpfblume“. Dort durften wir ihren humorvollen und mutigen Charakter kennenlernen.

„MO UND DIE ARIER, Allein unter Rassisten und Neonazis“ war das Thema dieser Veranstaltung, wobei wir noch weitaus mehr lernen durften als ich gedacht hätte…

Erst las uns Frau Asumang aus ihrem gleichnamigen Buch vor, berichtete uns von ihren Erfahrungen vor der Recherche, bevor es dann zum Dokumentarfilm ging. Sie begab sich auf die Suche nach der Idee vom „Herrenmenschen“ und befragte alle möglichen Menschen, die sich dazuzählten. Unhöfliche Bemerkungen und lächerliche Erklärungsversuche jeglicher Art folgten. Dabei konnte im Endeffekt niemand so wirklich erklären, was denn nun „Arier“ eigentlich sind, weder die Nazis, noch die rechte Burschenschaft, auch die NPD konnte keine zufriedenstellende Antwort geben. Die Erklärungen reichten von germanischen Stämmen, Indien bis zu Nazis, die schon seit jeher auf der Rückseite des Mondes gelebt haben und einst auf die Erde kamen.

Doch Frau Asumang ließ nicht nach, suchte nach der Wahrheit und blieb trotz Widerstände möglichst respektvoll. In der anschließenden Diskussion sagte sie dazu, dass es beim Fragen nicht darum ging, sich über die Rassisten zu erheben, denn das machten diese ja mit ihr. „Wichtig für uns alle ist, dass wir uns nicht gleich bewerten, sondern erstmal zuhören.“

Fakt ist, dass Deutsche nicht „Arier“ sind. Diese hätten ihren Ursprung im alten Indien und im alten Iran. Iran bedeutet übersetzt nämlich „Land der Arier“- somit stand schon das nächste Ziel ihrer Reise fest. Es wurden echte Arier gefragt, was der Begriff nun eigentlich bedeutet. Laut den Geschichtsbüchern sagte König Kyros, dass „Arisch“ heißt, dass es keinen Unterschied zwischen den Völkern gibt. Auch die ausführliche Grabinschrift des Großkönigs Darius I. lieferte uralte Beweise dazu, woran es in Deutschland deutlich fehlt.

Doch zu behaupten, Deutschland wäre der einzige Ort, an dem solche Bewegungen stattfinden, wäre absurd. Im Film sah man Frau Asumang nach Amerika reisen, wo sie die dortigen Nazis bei einem Radiosender traf, die täglich Rassismus predigen, und dem Ku Klux Klan im Dunkeln am Waldrand begegnete, um mit ihnen über die Werte und Überzeugungen dessen zu sprechen, für den sie angeblich ihre Zeremonien abhalten – Jesus.

Letztendlich wurde ihre Angst vor den Rassisten quasi umgekehrt. Sie hat festgestellt, dass Rassisten darauf aus sind, Menschen durch starke Emotionen wie Wut und Hass aus dem Gleichgewicht zu bringen. Häufig stolpern wir darüber, wobei das in der Gesellschaft nicht passieren darf. Es geht nicht um Hautfarbe oder Religion, damit kann man Menschen fischen und Angst verbreiten… um schließlich die Macht zu übernehmen.

Dabei geht es uns alle an. Wir demonstrieren nicht (nur) für Schwarze, Juden usw., sondern eben für uns selbst, für unsere Demokratie.

„Macht einen ganz schön mürbe…aber muss man sich ja nicht gefallen lassen.“

Eröffnung der Ausstellung: „Deine Anne!“

Ein Bericht von Jule Bramlage und Selina Stanni (Schülerinnen der Elisabeth Selbert Schule)

Am 22.11.2019 wurde die geliebte und geschätzte Ausstellung “Deine Anne“ das dritte Mal mit Freude und Eifer in der Elisabeth-Selbert Schule am Münsterkirchhof eröffnet. Um 11:30 gab es eine Eröffnungsfeier an dem Schüler, Lehrkräfte sowie auch der Bürgermeister und andere geladene Gäste teilnahmen um an die vergangene Zeit und Anne Frank zu gedenken. Die Ausstellung wurde vom Berliner Anne Frank Zentrum wiederholt zur Verfügung gestellt was das ganze erst möglich machen konnte, außerdem gab es viele großzügige Spenden über die sich sehr gereut wurden. Das besondere an dieser Ausstellung ist das sie von Schülerinnen und Schülern geführt wird die eine spezielle Guide Ausbildung gemacht haben, da es ihnen wichtig ist das die Zeit sowie all die Menschen nicht in Vergessenheit geraten. Durch die Interessierten Schülerinnen und Schülern wird diese Ausstellung sowie Anne Frank ein Stück weit lebendig gemacht. Wir freuen uns auf eine tolle, interessante Ausstellung und danken allen Schülern und Schülerinnen die sich engagieren und sich entschlossen haben die Guide Ausbildung zu machen und ihr neues Wissen zu diesem Thema weiterzugeben.

Es geht los!

Gerade haben unsere Guides mit ihrem Worksshop begonnen. Aufgeregt und gespannt lernen sie ab jetzt mehr über Annes Leben und was ihre Geschichte uns für die Gegenwart lehrt. Wir sind einfach happy und wünschen unseren engagierten Schüler*innen zwei spannende Tage mit den Dozent*innen vom Anne Frank Zentrum!

Wieso will ich Anne Frank-Guide werden?

Es war ein grandioser Auftakt mit Esther Bejarano am letzten Mittwoch (in Kürze mehr dazu). Damit hat das Rahmenprogramm zu unserer Ausstellung endlich begonnen. Manche von euch fragen sich aber vielleicht trotzdem noch: wieso haben wir uns eigentlich entschlossen die Anne Frank Ausstellung nach Hameln zu holen? Und wieso wollen da eigentlich so viele Schülerinnen und Schüler mitmachen? Die Antwort gibt es hier…